Schraube im Foilmast abgerissen?
Mit einem Schraubenausdreher könnt ihr eine abgebrochene Gewindeschraube aus dem Foilmast entfernen
Die Verbindung von Fuselage und Mast wird bei den meisten Foil-Herstellern mit einer Verschraubung realisiert. Dabei wird die Fuselage mit zwei bis drei Senkkopf-Gewindeschrauben (M8 oder M6) am Mast befestigt. Diese Verbindung ist meist kraftschlüssig, die Spannung der Schrauben presst beide Bauteile aufeinander.
Durch hohe Belastungen (Hebelkräfte des Frontwings bei Landungen von Sprüngen) oder einem zu schwachen oder zu hohen Anzugmoment der Schrauben können sich diese mit der Zeit längen, beim Foilen verbiegen und letztendlich abreißen. Dabei bleibt der unterste Teil der Schraube im Gewinde stecken.
Im günstigsten Fall ist die Bruchstelle so uneben, dass man das abgebrochene Gewindestück mit zwei kleinen Schlitz-Schraubenziehern drehen kann. Kriechöl kann dabei helfen, um die Reibung zu reduzieren.
Sitzt das abgebrochene Schraubenstück allerdings fest und zudem tief im Gewindegang, dann kann nur noch eine Lösung helfen: ein Schraubenausdreher (auch Linksausdreher genannt).
Dieser wird in eine zuvor von oben angebohrte Schraube gesetzt und dann entgegen dem Uhrzeigersinn (nach links) gedreht. Das konische Linksgewinde dreht sich dabei in den Rest der abgebrochenen Schraube ein bis es blockiert. Die weitere Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn löst dann das Schraubenstück aus dem Rechtsgewinde.
Um den Schraubenausdreher ansetzen zu können, muss zuvor das festsitzende Schraubenstück angebohrt werden. Dazu wird mit einem Körner (Eindrückwerkzeug aus Stahl mit kegelförmiger Spitze) ein Loch in der Mitte eingeschlagen, damit der Bohrer beim Anbohren nicht abrutscht. Alternativ kann man einen sehr dünnen 1mm-Bohrer verwenden (mit Präzisionswerkzeug wie z.B. Proxxon), danach einen 3mm-Bohrer, um ein Loch mit passendem Durchmesser für einen 3mm-Linksausdreher zu schaffen.
Wichtig ist das Material des Bohrers, da Foilschrauben in der Regel aus V4A-Edelstahl gefertigt sind. Ein Spiralbohrer mit Kobalt-Legierung (HSS-Co oder HSS-E) ist erforderlich, wenn die Operation erfolgreich durchgeführt werden soll. Einfache Metallbohrer nutzen sich ab oder laufen heiß.
Achtet darauf den Gewindegang im Foilmast nicht zu beschädigen. Das kann passieren, wenn der Bohrer abrutscht. Der Mast sollte fest in einer Werkbank eingespannt sein (im Cover und zusätzlich umwickelt mit einem Handtuch, um den Druck zu verteilen). Gebohrt wird exakt im 90-Grad-Winkel von oben.
Der Schraubenausdreher wird in einem Windeisen eingeklemmt oder im Akku-Bohrer eingespannt (Linksdrehung, niedrige Geschwindigkeit) und dann mit leichtem Druck eingedreht bis er greift.
Nach dem erfolgreichen Entfernen sollte man idealerweise alle Schrauben austauschen und diese auch danach regelmäßig prüfen. Sobald ein Gewindegang nicht mehr gerade ist (die Schrauber eiert dann beim Rollen auf einer planen Fläche), wird es Zeit für einen Austausch. Besonders bei dünnen M6-Schrauben kann der Wechsel zu Titanschrauben sinnvoll sein.
Falls ihr die Reparatur nicht selbst durchführen wollt oder der Versucht nicht erfolgreich war, dann findet ihr passende Anbieter für Foil-Reparaturen in unserem Reparaturanbieter-Verzeichnis:
www.wingdaily.de/reparaturanbieter/foilreparaturen.htm
19.10.2026 © WING DAILY | Text: Jürgen Schall | Fotos/Grafiken: Jürgen Schall | Translation: EN