Frohe Ostern
Roadtrip nach Leucate und an die Costa Brava – mit einem Abstechern an den Lac de Monteynard. Anne war wieder 'on tour' und berichtet von ihrer Reise im April 2026.
Eigentlich sollte es in die Alpen zum Wandern gehen, allerdings war die Wettervorhersage für die Zielregion so schlecht, dass kurzfristig umdisponiert werden musste. Also doch wieder Wassersport, nicht die schlechteste Alternative. Aber war das tatsächlich eine gute Idee? Seit Tagen blies der Tramontana am Mittelmeer so heftig, dass die Bedingungen eher unsurfbar waren.
Am Tag meiner Ankunft in Leucate war es immer noch so windig, dass nirgends ein Windsurfer auf dem Wasser zu sehen war. Zum Glück sollte es am nächsten Tag nicht mehr ganz so heftig sein. Mit meinem 3.7er Segel war ich aber zwischendurch immer noch „out of control“, trotzdem hatte ich sehr viel Spaß bei meiner ersten Windsurf-Session dieses Jahres am Spot Le Goulet.
Einen Tag später musste man dann schon früh aufstehen, denn der Wind sollte gegen 12:00 Uhr komplett die Biege machen. Mit meinem 3.5er Wing flog ich vormittags über das schlammig-braune Wasser und Schwups hatte ich meine zweite gute Session in der Tasche.
Für eine richtige Dusche ging es danach auf den Campingplatz Aquarius in der Bucht von Roses. Passenderweise zeigten sich dort nachmittags einige Schaumkronen.
Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und schnell ging es an diesem Tag doch noch einmal für eine zweite Wing-Session aufs Wasser. Der Wind verpuffte aber schneller als gedacht, mehr als eine kurze Flugphase konnte ich nicht erwischen.
Die Suche nach mehr Wind führte mich am nächsten Tag ins weiter südlich gelegene Palamos. An diesem Küstenabschnitt – und weiter südlich – sollte der aus Südwest wehende Wind namens Garbi am frühen Nachmittag wehen.
Vorher blieb also noch genug Zeit, um den Küstenwanderweg zu erkunden. Meine Überlegung, das während der Siesta in der Stadt nicht so viel los sein würde, ging leider nicht auf.
Ich hatte gelesen, dass es zwei Spots in Palamos gibt. Der eine liegt mitten in der Stadt, also cruiste ich mit meinem Van durch die engen Gassen bis zur Promenade, fand aber keinen passenden Parkplatz. Da die beiden Wingfoiler, die ich dort sah, nur dümpelten, beschloss ich etwas außerhalb zu parken und einen Bummel durch das Städtchen zu machen.
Aber der angesagte Wind lies mir dazu keine Ruhe. Am südlichen Ende der Bucht schien Bewegung auf dem Wasser zu sein, das musste ausgekundschaftet werden. Und tatsächlich, weiter südlich waren 10-15 Windfoiler auf dem Wasser, aber auch hier war an regelkonformes Parken in spotnähe nicht zu denken.
Nach der vierten Runde gab ich die Parkplatzsuche – auch angesichts der späten Stunde – auf. Die meisten Winger kamen eh gerade vom Wasser. Fazit, es gibt in Palamos diese zwei Spots, aber was man machen muss, um dort einen Parkplatz zu bekommen... keine Ahnung.
Der Blick auf die Windy App trieb mich am nächsten Tag nach L'Estartit, einem meiner Lieblingsorte. Auf dem Strandparkplatz wurden wie so häufig Knöllchen an alle KFZs über 2.20m Fahrzeughöhe verteilt.
Ich stand gechillt auf einer markierten Parkfläche am Straßenrand und vertrieb mir die Zeit in den netten Städtchen und am Strand, bis es dann gegen 16:00 Uhr endlich losging mit dem Wind. Da der Rettungssturm besetzt war, ersparte ich mir den Wechsel zum südlichen Spot und hatte die kleinen grün-blau schimmernden Dünungswellen ganz für mich allein.
Die Windvorhersage führte mich am Folgetag wieder Richtung Norden. Dieses Mal stand in Leucate der Spot Les Dosses auf meiner Liste. Dieser südlich von Le Goulet gelegene Spot am Etang de Leucate bietet zwar keinen Wohnmobilstellplatz direkt am Wasser, aber zu Ostern ausreichend Parklätze, auch für größere Vans.
Der Strand dort war gut besucht. Gegen 14:00 Uhr sollte der Wind eintreffen und nachdem ich beim Wingen ein paar Leichtwind-Runden mit meinem Downwind-Board gedreht hatte, reichte es auch zum Windsurfen. Bei einer deutlich freundlicheren Wasserfarbe als bei Le Goulet hatte ich nochmal richtig Spaß bei einer Freestyle-Session.
Bis jetzt hatte ich mega Glück, großartigen Wetter und großartige Surfsessions, nur jetzt kam die Frage aller Fragen. Wo finde ich den nächsten Wind?
In meiner Region war erstmal Flaute angesagt und ich entschied mich daher auf dem Rückweg einen neuen Spot anzufahren. Nach zwei sehr schönen Sightseeing Momenten in Gordes und Roussillon, beide Dörfer zählen zu den schönsten Frankreichs, ging es weiter durch die Provence bis zum Lac de Monteynard.
Wird es hier zu dieses Jahreszeit Thermik geben? Es stand nur ein Bus eines Surfers auf dem Parkplatz, das machte mich schon etwas stutzig. Aber erstmal egal, denn bevor die der Thermik - wenn überhaupt - gegen Mittag einsetzt, war noch Zeit für eine Wanderung zu der Hängebrücke de l'Ebron.
Zurück am Van setzte die Thermik ein, aber kein Surfer weit und breit. Da ich ungerne alleine aufs Wasser gehe, war ich etwas fassungslos – ich stand an einem der windigsten Seen Europas und sollte den Wind nicht nutzen können?
Der Franzose mit dem Surfer-Van riet mir dann, es an dem etwas weiter nördlich gelegenen Parkplatz zu probieren. Und tatsächlich, dort war der erste Wingfoiler schon auf dem Wasser und andere bauten auf. Was für ein Glück, denn so kam ich dann doch noch in den Genuss einer Session auf diesem See mit seinen großartigen Farben und den schneebedeckten Bergen als Kulisse.
Leider hatte sich die gute Windvorhersage für die kommenden Tage in Luft aufgelöst. Das Wetter sollte sogar umschlagen und für das Wochenende war Schnee angesagt. Die Frage war: mit kleiner Chance auf Wind am Lac de Monteynard bleiben oder noch eine sichere Session an meinen Homespot Auesee abgreifen?
Ich entschied mich für Letzteres und beendete meinen wunderschönen Oster-Roadtrip samt seinen unendlich schönen Farberlebnissen an meinem geliebten, an diesem Tag eher etwas grauen-blauen, Homespot.
04.05.2026 © WING DAILY | Text: Anne Stevens | Fotos/Grafiken: Anne Stevens | Translation: EN